Kriminologie in Nordrhein-Westfalen

Das Netzwerk der Kriminologinnen und Kriminologen in Nordrhein-Westfalen

Universität Bielefeld      FH Dortmund      FH Münster      Ruhr-Universität Bochum      Universität Münster   

  Universität Siegen      Universität Wuppertal     Universität zu Köln      HSPV NRW      KKF LKA NRW

Universität Bielefeld

Prof. Dr. Michael Lindemann

Prof. Dr. Jost Reinecke

Überregionale und regionale Bedeutung des gesellschaftlichen Zusammenhalts: Konzeptionen und Messungen relevanter Konstrukte - (BIE_F_02), Teilprojekt des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ)

Das Projekt untersucht zunächst die Dimensionen und möglichen Erklärungskonzepte des gesellschaftlichen und sozialen Zusammenhalts auf der Grundlage bestehender standardisierter Befragungen, die im Interdisziplinären Institut für Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) aber auch in anderen Institutionen (zum Beispiel bei der Bertelsmann-Stiftung) erhoben wurden. Es werden überregionale, regionale und explizit auch kleinräumige Studien berücksichtigt. Die systematische und vollständige Erfassung sowohl zentraler Erklärungskonzepte des gesellschaftlichen Zusammenhalts als auch die Dimensionierung im Sinne eines „konstruktiven“ und „destruktiven“ Zusammenhalts stehen dabei im Vordergrund. Die Aufarbeitung der einzelnen Datensätze, die Zusammenstellung der einzelnen Messungen und Skalen und der Vergleich der Ergebnisse im Sinne einer Bestandsaufnahme kennzeichnen die ersten Arbeitsschritte. Darüber hinaus wird eine systematische Evaluation relevanter, aber bisher noch nicht in diesem Forschungskontext berücksichtigter Konzepte (insbesondere Ungerechtigkeitssensibilität) vorgenommen. Die Analysen sollen über den Kontext des Teilinstituts in Bielefeld hinaus die inhaltlichen und methodischen Arbeiten zum Aufbau des „Zusammenhaltspanels“ im Datenzentrum in Bremen unterstützen. Da das zu evaluierende Datenmaterial auch teilweise über den deutschen Kontext hinausgeht, wird eine europäische (internationale) Perspektive in den einzelnen Untersuchungsschritten einbezogen. In einer sich anschließenden Arbeitsphase werden ausgewählte Konzepte in kleineren qualitativen und quantitativ orientierten Studien im Hinblick auf ihre Messgenauigkeit (Reliabilität und Validität) für unterschiedliche Erhebungsmodi (schriftlich, mündlich, telefonisch, online) getestet. Diese Pretests liefern wesentliche Informationen für die weitere Verwendung in geplanten Studien der Teilinstitute des FGZ. Die Tauglichkeit für das im FGZ geplante Monitoring im Zeitverlauf („Zusammenhaltspanel“) sowie die konzipierten Regionalstudien steht hier ebenfalls im Vordergrund. Abschließend werden alle geeigneten Instrumente in Form eines Online-Skalenhandbuchs zusammengestellt sowie Empfehlungen ausgearbeitet, inwieweit sich die untersuchten Instrumentarien zum Einsatz in weiteren Surveys ‒ in Abhängigkeit der verschiedenen Modi ‒ eignen. Der thematische Bezug ergibt sich durch die Analyse der einzelnen Dimensionen des konstruktiven und destruktiven Zusammenhalts. Es werden vornehmlich Konstrukte, wie gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, soziale Deprivation, Populismus, Demokratiefeindlichkeit oder Perspektiven von Ungerechtigkeitssensibilität erfasst, die in einem negativen Zusammenhang zum gesellschaftlichen Zusammenhalt stehen. Des Weiteren werden Konstrukte wie Toleranz, Integrationsbereitschaft oder politische Partizipation und solche Perspektiven von Ungerechtigkeitssensibilität untersucht, die in einem positiven Zusammenhang zum gesellschaftlichen Zusammenhalt stehen. Das Projekt leistet in der Gesamtkonzeption des FGZ einen empirisch-analytischen Beitrag und steht in enger Verbindung zum Zusammenhaltspanel des Datenzentrums Zusammenhalt.

Status: laufend seit 01/2002 (bis voraussichtlich 12/2024)

beteiligte Institutionen: Interdisziplinäre Institut für Konflikt- und Gewaltforschung (IKG), Universität Bielefeld & Bertelsmann-Stiftung

beteiligte Forscher/innen: Prof. Dr. Jost Reinecke, Dr. Lena Verneuer-Emre, Prof. Dr. Olaf Groh-Samberg, Prof. Dr. Carmen Zurbriggen, Dr. Jonas Rees, Anne Stöcker

Förderung durch: Bundesministerium für Bildung und Forschung

Homepage: FGZ

Keywords: Gesellschaftlicher Zusammenhalt – Ungerechtigkeit – Populismus

Intergruppenkontakte und ethnische Vorurteile bei Beschäftigten in öffentlichen Institutionen (INRA_B01)

Das Teilprojekt geht der Frage nach, inwieweit dienstliche Kontakte von Beschäftigten des öffentlichen Dienstes zu Ausländer:innen bzw. Personen mit Migrationshintergrund dazu führen können, dass gruppenbezogene Abwertungen, ethnische Vorurteile und Diskriminierungsbereitschaft befördert oder reduziert werden. Es soll dabei untersucht werden, ob die Kontaktsituationen positiv oder negativ zu bewerten sind und wie diese Kontakterfahrungen sich auf die Einstellungen der Beschäftigten auswirken. Darüber hinaus wird eine genaue Evaluation der vermittelnden (mediierenden) und interagierenden (moderierenden) Faktoren angestrebt. Das Projekt bezieht seine Daten aus der zentralen Beschäftigtenbefragung des Projekts A06. Die Untersuchungseinheit sind Beschäftigte in vorwiegend Bundesbehörden mit Bürger:innenkontakt wie Zoll, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Bundesagentur für Arbeit und ggfls. die Bundespolizei. In der standardisierten Erhebung sollen itemgestützte Fragen eingesetzt werden. Das Projekt kooperiert eng mit den folgenden Teilprojekten: „Netzwerkstrukturen“ (B09), „Einstellungen und Aufstiege im öffentlichen Dienst“ (B10), „Einstellungen und Erfahrungen“ (B11), Diskriminierung im Behördenalltag“ (B12) sowie „Rassistische Diskriminierung in Institutionen“ (A05). Das Projektziel ist erreicht, wenn statistisch abgesichert ist, inwieweit Kontaktsituationen zwischen Beschäftigten und Ausländer:innen bzw. Personen mit Migrationshintergrund systematisch durch ethnisch bedingte Vorurteile beeinflusst werden.

Status: laufend seit 2002 (bis voraussichtlich 2023)

beteiligte Institutionen: Professur für Methoden der empirischen Sozialforschung mit dem Schwerpunkt quantitative Methoden, Universität Bielefeld

beteiligte Forscher/innen: Prof. Dr. Jost Reinecke, Dr. Lena Verneuer-Emre (RWTH Aachen), Prof. Dr. Oliver Wagner (Universität Marburg)

Förderung durch: Bundesministerium des Innern und für Heimat

Homepage: INRA

Keywords: Intergruppenkontakte – Rassismus – Vorurteile – Diskriminierung

Kriminalität in der modernen Stadt

Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Panelstudie Kriminalität in der modernen Stadt wird seit 2002 in Duisburg durchgeführt. Die Grundgesamtheit besteht aus Schülerinnen und Schülern, die 2002 die siebte Klasse einer Duisburger Schule besuchten. Zu Beginn nahmen 3.411 Personen und somit 61 % der Grundgesamtheit an der Befragung teil. Im Durchschnitt liegen für jede der bislang durchgeführten 12 Erhebungen Daten von 3.000 Personen vor und ermöglichen so die Analyse typischer Delinquenzverläufe und Erklärungszusammenhänge vom 13. bis zum 28. Lebensjahr. Die Untersuchung wird 2019 mit der 13. Befragung im 30. Lebensjahr der Teilnehmerinnen und Teilnehmer weitergeführt. Es wird sowohl das Dunkelfeld der selbstberichteten Delinquenz als auch die Hellfeldkriminalität anhand von Verfahrenseinstellungen und Verurteilungen aus dem Erziehungs- und Bundeszentralregister erhoben. Als mögliche Erklärungsfaktoren für delinquentes Verhalten wird unter anderem die Einbindung in soziale, schulische und berufliche Beziehungen, der Lebensstil, das Freizeitverhalten, die Einstellung zu Normen und Entscheidungspräferenzen und Kontakte zu Polizei oder Justiz untersucht.

Status: laufend seit 2002 (bis voraussichtlich 2023)

beteiligte Institutionen: Professur für Methoden der empirischen Sozialforschung mit dem Schwerpunkt quantitative Methoden, Universität Bielefeld & Institut für Kriminalwissenschaften, Professur für Kriminologie, Universität Münster

beteiligte Forscher/innen: Prof. Dr. Jost Reinecke, Prof. Dr. Klaus Boers, Dr. Christina Beckord (ehem. Bentrup)

Förderung durch: DFG – Deutsche Forschungsgemeinschaft

Homepage: KrimStad bzw. Crimoc

Keywords: juvenile delinquency – longitudinal – life-course – self-reported delinquency

Dr. Christina Beckord (ehem. Bentrup)

Die intergenerationale Transmission von Gewalt: eine kombinierte prospektive kriminologische und neurobiologische Untersuchung

Obwohl die intergenerationale Transmission von Gewalt ein allgemein bekanntes Phänomen ist, sind die den unterschiedlichen Transmissionspfaden zu liegenden Mechanismen noch weitestgehend unbekannt. In dem vorliegenden integrativen soziologischen und neurobiologischen intergenerationalen Forschungsvorhaben soll deshalb die Entwicklung von Kindern (Generation 3, G3) von Eltern (Generation 2, G2), deren Erziehungsverhalten und -erfahrungen (durch Generation 1, G1) bereits in der Studie „Kriminalität in der modernen Stadt“ (CrimoC) erhoben worden sind, untersucht werden. Insbesondere soll die Bedeutung der vier Formen der Gewalterfahrung und -ausübung in der Generation G2 (Non-Violents, Maintainer, Cycle Breaker und Initiator) für die Entwicklung der Generation G3 überprüft werden. Basierend auf dem um die nächste Generation erweiterten integrativen strukturdynamischen Modell delinquenten Verhaltens (SDM) und der differentiellen Suszeptibilitätshypothese nehmen wir an, dass positive und negative soziale Faktoren sich in Abhängigkeit von der biologischen Suszeptibilität des Individuums unterschiedlich stark auswirken und Einfluss darauf nehmen, ob Gewalt weitergegeben (M) oder die Transmission unterbrochen wird (Cycle Breaker). Ferner wird angenommen, dass die aktuellen Handlungsentscheidungen von G3 für oder gegen regelverletzendes Verhalten durch die neurobiobehaviorale Synchronizität in der täglichen Eltern-Kind-Interaktion moduliert werden. Das Vorhaben basiert auf den Paneldaten der CrimoC-Studie, welche um die nächste Generation und das intergenerationale Zusammenspiel zwischen G2 und G3 erweitert werden sollen. Umfassende Fragebogenerhebungen, diagnostische Interviews, bildgebende und genetische Untersuchungen der Eltern-Kind-Dyade werden mit neuropsychologischen Untersuchungen und Interaktionsbeobachtungsverfahren kombiniert. Auf diese Weise bietet sich die einzigartige Gelegenheit, soziologische, psychologische und neurobiologische Mechanismen der unterschiedlichen Transmissionspfade von Gewalt zu untersuchen.

Status: Start 08/2022

beteiligte Institutionen: Fakultät für Soziologie, Universität Bielefeld & Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, RWTH Aachen

beteiligte Forscher/innen: Dr. Christina Beckord (ehem. Bentrup), Prof. Dr. Kerstin Konrad

Förderung durch: DFG – Deutsche Forschungsgemeinschaft

Keywords: intergenerational transmission – neurobiocriminology – longitudinal – violence

Fachhochschule Dortmund

EU-Pretrialrights

Fragestellung: Wie werden die Anforderungen aus der EU-Richtlinie 2016/1919 über den Zugang zu kostenloser anwaltlicher Unterstützung für Personen, die einer Straftat verdächtigt oder beschuldigt werden, aber noch nicht verurteilt sind oder die einem EU-Haftbefehl unterliegen, während ihrer Inhaftierung in den am Projekt beteiligten Mitgliedstaaten der Europäischen Union sichergestellt? Welcher Ergänzungen der Richtlinie bedarf es, damit diese im Sinne des Zugangs insbesondere zu kostenloser Rechtshilfe betreffend den Vollzug dieser Haft wirksam wird? Das Projekt wird im Verbund des Prison Litigation Network durchgeführt (http://www.prisonlitigation.org/).

Status: laufend seit 09/2017 (bis voraussichtlich 02/2019)

beteiligte Institution: Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften: Strafvollzugsarchiv Fachhochschule Dortmund

beteiligte Forscher/innen: Prof. Dr. Christine Graebsch, Christina Lederer, Pascal Décarpes

Förderung durch: Kommission der Europäischen Union

Homepage: EU-Pretialrights

Keywords: Legal aid – pretrial detention – prisoners’ rights

EU-Prison Radicalisation Project

Fragestellung: Welche Programme und Prognoseinstrumente sind in den beteiligten Ländern in Haftanstalten mit dem Ziel im Einsatz, der Radikalisierung von Gefangenen entgegenzuwirken und wie verhalten sich diese zu wissenschaftlichen Erkenntnissen betreffend ihre Wirkung? Das Projekt wird im Verbund des European Prison Observatory durchgeführt (http://www.prisonobservatory.org/)

Status: laufend seit 11/2017 (bis voraussichtlich 10/2019)

beteiligte Institution: Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften: Strafvollzugsarchiv, Fachhochschule Dortmund

beteiligte Forscher/innen: Prof. Dr. Christine Graebsch, Melanie Schorsch

Förderung durch: Kommission der Europäischen Union

Homepage: PRP

Keywords: radicalisation – risk assessment – desistance – prisoners‘ rights

Fachhochschule Münster

Entwicklung und Anwendung einer Skala zur Messung von Korruptionsanfälligkeit von Gruppen (Hannoversche Korruptionsskala, HKS 38)

Die innerhalb der Forschungskooperation mit der Hochschule Hannover (Fachbereich Wirtschaft (Prof. Dr. Sven Litzcke, Professur für Human Resource Management und Wirtschaftspsychologie) erarbeitete Skala HKS 38 ist ein Fragebogen, der psychometrischen Gütekriterien gerecht wird und die Einschätzung von Korruptionsanfälligkeiten zulässt. Dies wird dadurch möglich, dass durch den Fragebogen Risikofaktoren gemessen werden, die in einer Person begründet liegen – also ihre Einstellungen zu Korruption. Damit erfasst der Fragebogen einen Risikobereich für Korruption, der jenseits von situativen Einflüssen für Korruption liegt. Da der Fragebogen in Deutschland anhand einer repräsentativen Stichprobe der deutschen Wohnbevölkerung normiert wurde, erlaubt er außerdem einen Vergleich der jeweiligen Stichprobe mit der Allgemeinbevölkerung. Die Entwicklung der Skala wurde gefördert vom TÜV Hannover/Sachsen-Anhalt e.V. 2017 wurde die Skala vom Referat Prävention und Ursachenforschung des Österreichischen Bundesamtes zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung (BAK) in Kooperation mit der Hochschule Hannover und der Fachhochschule Münster in der Studie „Einstellungen zu Korruption in Österreich“ eingesetzt zur vergleichenden Messung der Korruptionsanfälligkeit von Polizeischülerinnen und -schüler sowie Jura- sowie Psychologiestudierenden. Weite Einsätze sind bereits in Vorbereitung. Darüber hinaus finden seit 2011 fortlaufend qualitative Messungen zu Korruption und korruptionsnahen Handlungen im Sozialwesen statt.

Status: laufend seit 01/2010

beteiligte Institutionen: Fachbereich Sozialwesen, Professur für Soziologie und Recht, Fachhochschule Münster & Professur für Human Resource Management und Wirtschaftspsychologie, Hochschule Hannover

beteiligte Forscher/innen: Prof. Dr. Ruth Linssen, Prof. Dr. Sven Litzcke

Homepage: HKS 38

Keywords: Korruption im öffentlichen Sektor – Korruption – Sozialwesen – Compliance – Skala – HKS 38 – Korruptionsprävention

Crime Stories - Digitale Selbstlernaufgaben aus dem Strafrecht

Im Projekt werden Strafrechtsfälle, die relevante Bezüge zum Beruf des Sozialarbeiters aufweisen und zudem Variationsmöglichkeiten zur Weiterbearbeitung beinhalten, als Video produziert. Sie sollen von den Studierenden (mit vorgegebenen Materialien, Fragen oder auch Rechercheaufgaben verbunden) bearbeitet und im Seminar besprochen und variiert werden.

Das Projekt hat damit folgende Ziele:

  1. Aneignung abstrakter juristischer Inhalte einüben
  2. Rezeptionsgewohnheiten der Studierenden nutzen (Videos ergänzend zu Text)
  3. Selbstlernen statt Frontal-Input (Einzeln oder in Gruppen, je nach Bedarf)
  4. Mit problembasiertem Lernen (Lernen am Einzelfall) zum Selbstlernen motivieren
  5. Selbststudium moderieren und Lernstand reflektieren in Präsenzphasen

Status: laufend seit 10/2017 (bis voraussichtlich 03/2019)

beteiligte Institution: Fachbereich Sozialwesen, Professur für Soziologie und Recht, Fachhochschule Münster

beteiligte Forscherinnen: Prof. Dr. Ruth Linssen

Homepage: Crime Stories

Keywords: Blended Learning – Linssen Law Learning – Inverted Classroom – Strafrecht für Soziale Arbeit

Ruhr-Universität Bochum

Prof. Dr. Thomas Feltes

Police Accountability – towards international standards (POLACS)

Das internationale und interdisziplinäre Verbundforschungsprojekt untersucht Beschwerde- und Kontrollmöglichkeiten in Bezug auf Polizei. Die machtvolle Stellung von Polizeibehörden als Repräsentantinnen des staatlichen Gewaltmonopols wurde in den vergangenen Jahren durch die Erweiterung von Befugnissen, neue Technik und Ausrüstung sowie transnationale Polizeizusammenarbeit weiter ausgebaut. Zugleich ist die Polizei wegen Fehlverhaltens, rassistischer Praxen und rechtsradikaler Verstrickungen zunehmend in der Diskussion. Vor diesem Hintergrund gewinnen Kontroll- und Beschwerdemechanismen an Bedeutung, nicht zuletzt, wenn Bürger*innen von polizeilichem Fehlverhalten betroffen oder mit polizeilichem Handeln nicht einverstanden sind und gegen dieses Vorgehen möchten. Zusammen mit Wissenschaftler*innen aus Großbritannien, Frankreich, Canada und Japan untersuchen Teams am Forschungsinstitut für öffentliche und private Sicherheit an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin sowie an der Ruhr-Universität Bochum, wie es in den verschiedenen Ländern um solche Kontroll- und Beschwerdemechanismen bestellt ist. In einer interdisziplinären und vergleichenden Herangehensweise sollen sowohl Implementierung als auch Funktions- und Wirkungsweisen von unterschiedlichen Mechanismen und deren Einbettung in größere Zusammenhänge von Police Accountability Systemen untersucht werden. Mittels quantitativer und qualitativer Zugänge werden Stärken und Schwächen vorhandener Kontrollformen und unterschiedlicher Beschwerdemechanismen empirisch aufbereitet und evaluiert, um so die Wissensgrundlage für politische Entscheidungsträger*innen, Polizeibehörden und Nichtregierungsorganisationen zu verbessern und zugleich eine methodische Basis für weitere vergleichende Forschung bereitzustellen.

Status: laufend seit 03/2021 (bis 02/2024)

beteiligte Institution: Lehrstuhl für Kriminologie, Ruhr-Universität Bochum; Forschungsinstitut für öffentliche und private Sicherheit, Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin;University of Dundee; The University of Strathclyde; Centre de Recherches Sociologiques sur le Droit et les Institutions Pénales; Université de Strasbourg; Université du Québec à Trois-Rivières; Kyoto Sangyo University; Meiji University

beteiligte Forscher/innen: Prof. Dr. Tobias Singelnstein, Prof. Dr. Thomas Feltes, Marie-Theres Piening; Prof. Dr. Hartmut Aden, Dr. Sonja John, Alexander Bosch

Förderung durch: DFG – Deutsche Forschungsgemeinschaft

Homepage: POLACS

Keywords: Beschwerde- und Kontrollmöglichkeiten – Polizei – Interdisziplinarität

Rechtsextremismus und Rassismus in der Polizei

Anhand einer fortlaufenden Medienanalyse werden die Entwicklungen seit den Ereignissen im Zusammenhang mit rechtsextremistischen Ereignissen in der Polizei im Jahr 2020 analysiert und Handlungsempfehlungen für die polizeiliche Praxis und Ausbildung entwickelt.

Status: laufend

beteiligte Institutionen: -

beteiligte Forscher/innen: Prof. Dr. Thomas Feltes, Dr. Holger Plank

Förderung durch: -

Homepage: Rechtsextremismus und Rassismus in der Polizei

Keywords: Polizei – Rechtsextremismus – Rassismus – Polizeiausbildung

Polizei-Newsletter

Der Polizei-Newsletter informiert monatlich über aktuelle Forschungen, Aufsätze und Berichte mit Bezug zu Polizei und Sicherheit. Seit der ersten Ausgabe im März 1999 sind über 230 monatliche Newsletter mit mehr als 3.500 einzelnen Meldungen erschienen. Derzeit haben über 8.500 Personen den Newsletter abonniert.

Status: laufend

beteiligte Institutionen: Felix-Verlag

beteiligte Forscher/innen: Prof. Dr. Thomas Feltes, Detlef Wydra

Förderung durch: -

Homepage: Polizeinewsletter

Keywords: Polizei – Polizeiforschung – Polizeiwissenschaft – Polizeiausbildung

Psychisch gestörte Personen als Opfer von Polizeigewalt

In den vergangenen Jahren mehren sich die Fälle, in denen psychisch gestörte Personen Opfer von Polizeigewalt werden. So ist die deutliche Mehrzahl der von der Polizei getöteten Personen erkennbar psychisch gestört und/oder steht unter Drogen-/Alkoholeinfluss. Die allermeisten dieser Fälle werden unangemessen juristisch aufgearbeitet. Das Projekt soll der Frage nachgehen, welche Gemeinsamkeiten diese Fälle aufweisen und wie die Aus- und Fortbildung der Polizei in diesem Bereich verbessert werden kann.

Status: laufend

beteiligte Institutionen: -

beteiligte Forscher/innen: Dr. Michael Alex, Dr. Nahlah Saimeh, Prof. Dr. Thomas Feltes

Förderung durch: -

Homepage: -

Keywords: Polizeigewalt – polizeiliche Todesschüssen – psychisch Kranke – psychisch Gestörte

Der administrative Ansatz in der Strafverfolgung

Mit dem Begriff des administrativen Ansatzes wird ein Vorgehen beschrieben, mit dem vermeintlichen Straftätern die Nutzung der ihnen rechtlich zustehenden administrativen Infrastruktur verwehrt wird. Dies trifft besonders häufig Menschen, denen keine Straftat nachgewiesen wurde oder die von Gerichten freigesprochen wurden. Dieser administrative Ansatz wird seit 2010auf europäischer Ebene entwickelt. In Deutschland wurde zunächst zur Bekämpfung der sog. „Rockerkriminalität“ eingesetzt, seit geraumer Zeit auch zur Bekämpfung von „Clankriminalität“ und in anderen Bereichen. Im Rahmen des Projektes sollen die rechtlichen, kriminologischen und gesellschaftspolitischen Risiken und Nebenwirkungen dieses Ansatzes herausgearbeitet werden. Das eigens gegründete „European Network on the Administrative Approach tackling serious and organised crime“ (ENNA) wird mit Mitteln der EU finanziert und durch die Europäische Kommission, Europol, Eurojust, EUCPN unterstützt, bleibt aber weitestgehend unsichtbar. Quelle: https://administrativeapproach.eu

Status: laufend

beteiligte Institutionen: -

beteiligte Forscher/innen: Felix Rauls, Prof. Dr. Thomas Feltes

Förderung durch: -

Homepage: -

Keywords: administrativer Ansatz – Strafverfolgung – Rocker – Clans – Europol – ENNA – Eurojust – EUCPN – EU

Prof. Dr. Ingke Goeckenjan

Jun.-Prof. Dr. Sebastian Golla

KISTRA: Einsatz von KI zur Früherkennung von Straftaten

Ziel von KISTRA ist die Erforschung der Möglichkeiten und Rahmenbedingungen für den ethisch und rechtlich vertretbaren Einsatz von Künstlicher Intelligenz durch Ermittlungsbehörden zur Erkennung, Vorbeugung und Verfolgung von Straftaten. Dazu werden verschiedene, bedarfsgerecht anpassbare KI-Methoden zur Verarbeitung von Massendaten entwickelt. Die verschiedenen Methoden werden zusammengeführt und gemeinsam mit den Ermittlungsbehörden evaluiert.

Status: laufend seit 2020 (bis Juni 2023)

beteiligte Institutionen: Juniorprofessur für Kriminologie, Strafrecht und Sicherheitsforschung im digitalen Zeitalter, Ruhr-Universität Bochum & Zentrale Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich (ZITiS), München & Bundeskriminalamt & Landeskriminalamt Berlin & Ludwig-Maximilians-Universität München & Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern & Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen & Technische Universität Berlin & Technische Universität Darmstadt & Universität Duisburg-Essen & Munich Innovation Labs GmbH

beteiligte Forscher/innen: Jun.-Prof. Dr. Sebastian Golla

Förderung durch: Bundesministerium für Bildung und Forschung (Programm Forschung für die zivile Sicherheit: „Künstliche Intelligenz in der zivilen Sicherheitsforschung“)

Homepage: KISTRA

Keywords: Künstliche Intelligenz – Strafverfolgung – Hate Speech

Prof. Dr. Tobias Singelnstein

Police Accountability – towards international standards (POLACS)

Das internationale und interdisziplinäre Verbundforschungsprojekt untersucht Beschwerde- und Kontrollmöglichkeiten in Bezug auf Polizei. Die machtvolle Stellung von Polizeibehörden als Repräsentantinnen des staatlichen Gewaltmonopols wurde in den vergangenen Jahren durch die Erweiterung von Befugnissen, neue Technik und Ausrüstung sowie transnationale Polizeizusammenarbeit weiter ausgebaut. Zugleich ist die Polizei wegen Fehlverhaltens, rassistischer Praxen und rechtsradikaler Verstrickungen zunehmend in der Diskussion. Vor diesem Hintergrund gewinnen Kontroll- und Beschwerdemechanismen an Bedeutung, nicht zuletzt, wenn Bürger*innen von polizeilichem Fehlverhalten betroffen oder mit polizeilichem Handeln nicht einverstanden sind und gegen dieses Vorgehen möchten. Zusammen mit Wissenschaftler*innen aus Großbritannien, Frankreich, Canada und Japan untersuchen Teams am Forschungsinstitut für öffentliche und private Sicherheit an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin sowie an der Ruhr-Universität Bochum, wie es in den verschiedenen Ländern um solche Kontroll- und Beschwerdemechanismen bestellt ist. In einer interdisziplinären und vergleichenden Herangehensweise sollen sowohl Implementierung als auch Funktions- und Wirkungsweisen von unterschiedlichen Mechanismen und deren Einbettung in größere Zusammenhänge von Police Accountability Systemen untersucht werden. Mittels quantitativer und qualitativer Zugänge werden Stärken und Schwächen vorhandener Kontrollformen und unterschiedlicher Beschwerdemechanismen empirisch aufbereitet und evaluiert, um so die Wissensgrundlage für politische Entscheidungsträger*innen, Polizeibehörden und Nichtregierungsorganisationen zu verbessern und zugleich eine methodische Basis für weitere vergleichende Forschung bereitzustellen.

Status: laufend seit 03/2021 (bis 02/2024)

beteiligte Institution: Lehrstuhl für Kriminologie, Ruhr-Universität Bochum; Forschungsinstitut für öffentliche und private Sicherheit, Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin;University of Dundee; The University of Strathclyde; Centre de Recherches Sociologiques sur le Droit et les Institutions Pénales; Université de Strasbourg; Université du Québec à Trois-Rivières; Kyoto Sangyo University; Meiji University

beteiligte Forscher/innen: Prof. Dr. Tobias Singelnstein, Prof. Dr. Thomas Feltes, Marie-Theres Piening; Prof. Dr. Hartmut Aden, Dr. Sonja John, Alexander Bosch

Förderung durch: DFG – Deutsche Forschungsgemeinschaft

Homepage: POLACS

Keywords: Beschwerde- und Kontrollmöglichkeiten – Polizei – Interdisziplinarität

Körperverletzung im Amt durch Polizeibeamte: Viktimisierungsprozesse, Anzeigeverhalten, Dunkelfeldstruktur

Zum Umfang rechtswidriger Gewaltanwendung durch PolizeibeamtInnen liegen bislang kaum empirisch gesicherte Erkenntnisse vor. Einerseits werden die vorhandenen statistischen Zahlen zur Körperverletzung im Amt, die eine äußerst geringe Anklagequote von etwa 3 % ausweisen, höchst unterschiedlich interpretiert. Andererseits gibt es trotz anhaltender öffentlicher Diskussion praktisch keine Studien zum Dunkelfeld dieses Deliktsbereichs, obwohl dieses mutmaßlich eine besondere Struktur aufweist. Vor diesem Hintergrund soll das Forschungsprojekt vom Januar 2018 an einschlägige Viktimisierungserfahrungen, die polizeilichen Umgangsformen mit Verfahren wegen Körperverletzung im Amt, das Verhältnis von Hell- und Dunkelfeld sowie die Struktur des Dunkelfelds in diesem Bereich untersuchen.

Status: laufend seit 2018 (bis 2021)

beteiligte Institution: Lehrstuhl für Kriminologie, Ruhr-Universität Bochum

beteiligte Forscher/innen: Prof. Dr. Tobias Singelnstein, Laila Abdul-Rahman, Hannah Espín Grau, Luise Klaus

Förderung durch: DFG – Deutsche Forschungsgemeinschaft

Homepage: KVIAPOL

Keywords: Amtsdelikte – Dunkelfeld – Körperverletzung im Amt – Polizeigewalt

Rechtsextreme Gewaltdelinquenz und Praxis der Strafverfolgung

Seit dem Frühjahr 2015 ist in Deutschland ein signifikanter Wandel und eine Zunahme rechtsextrem motivierter Gewaltdelinquenz zu beobachten. Diese Veränderungen finden im Kontext eines gesellschaftlichen Rechtsrucks statt, der sich auch im Erstarken rechtspopulistischer Parteien und neurechter Gruppen widerspiegelt. Die Hans‐Böckler‐Stiftung richtet vor diesem Hintergrund von 2018 bis 2021 an der Ruhr-Universität Bochum eine Nachwuchsforschungsgruppe (NFG) zum Thema rechtsextreme Gewaltdelinquenz ein. Im Rahmen dessen werden drei Promotionsstipendien an Promovierende vergeben, die das Themenfeld mit ihren Arbeiten gemeinsam bearbeiten. Die NFG soll in einer kriminologischen Perspektive zum einen der Frage nachgehen, wie und warum sich der genannte Deliktsbereich bezüglich Taten und TäterInnen wandelt. Zum anderen soll empirisch untersucht werden, wie die Praxis der Strafverfolgungsbehörden im Deliktsbereich rechtsextrem motivierter Gewaltdelinquenz ausgestaltet ist.

Status: laufend seit 2019 (bis voraussichtlich 2022)

beteiligte Institution: Lehrstuhl für Kriminologie, Ruhr-Universität Bochum

beteiligter Forscher: Prof. Dr. Tobias Singelnstein

Förderung durch: Hans‐Böckler‐Stiftung (HBS)

Homepage: RexDel

Keywords: Gewaltdelinquenz – PMK – Polizei – Rechtsextremismus – Strafverfolgung

Strafkulturen auf dem Kontinent – Frankreich und Deutschland im Vergleich

Strafe und Kriminalität sind Aspekte des kollektiven Lebens, die in allen Gesellschaften eine zentrale Rolle spielen und deren Bedeutung in der jüngeren Vergangenheit erheblich zugenommen hat. Gleichwohl ist die Rolle der Strafe sowohl in verschiedenen Ländern, als auch in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen sehr unterschiedlich ausgeprägt. Sie wird in Medien, Politik und Bevölkerung verschieden verstanden und genutzt. Das Projekt „Strafkulturen auf dem Kontinent“ soll von 2017 bis 2020 die Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Umgangs mit Strafe in Deutschland und Frankreich in den genannten Bereichen und die Wechselwirkungen zwischen diesen Bereichen herausarbeiten, die als prägend für die Strafkultur einer Gesellschaft verstanden werden.

Status: laufend seit 2017 (bis 2021)

beteiligte Institutionen: Lehrstuhl für Kriminologie, Ruhr-Universität Bochum; Freie Universität Berlin; Centre national de la recherche scientifique & Centre Marc Bloch; Centre de recherches Sociologiques sur le Droit et les Institutions Pénales & Université Paris 1 Panthéon - Sorbonne

beteiligte Forscher/innen: Prof. Dr. Tobias Singelnstein, Prof. Dr. Kirstin Drenkhahn, Assoc. Prof. Nicolas Hubé, PD Dr. Fabien Jobard, Bénédicte Laumond, Johanna Nickels, Elena Zum-Bruch und weitere MitarbeiterInnen

Förderung durch: DFG – Deutsche Forschungsgemeinschaft & Agence Nationale de la Recherche (ANR)

Homepage: Strafkulturen (CPC)

Keywords: Kriminalpolitik – Medien – Punitivität – Strafkulturen

Universität Münster

Kriminalität in der modernen Stadt

Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Panelstudie Kriminalität in der modernen Stadt wird seit 2002 in Duisburg durchgeführt. Die Grundgesamtheit besteht aus Schülerinnen und Schülern, die 2002 die siebte Klasse einer Duisburger Schule besuchten. Zu Beginn nahmen 3.411 Personen und somit 61 % der Grundgesamtheit an der Befragung teil. Im Durchschnitt liegen für jede der bislang durchgeführten 12 Erhebungen Daten von 3.000 Personen vor und ermöglichen so die Analyse typischer Delinquenzverläufe und Erklärungszusammenhänge vom 13. bis zum 28. Lebensjahr. Die Untersuchung wird 2019 mit der 13. Befragung im 30. Lebensjahr der Teilnehmerinnen und Teilnehmer weitergeführt. Es wird sowohl das Dunkelfeld der selbstberichteten Delinquenz als auch die Hellfeldkriminalität anhand von Verfahrenseinstellungen und Verurteilungen aus dem Erziehungs- und Bundeszentralregister erhoben. Als mögliche Erklärungsfaktoren für delinquentes Verhalten wird unter anderem die Einbindung in soziale, schulische und berufliche Beziehungen, der Lebensstil, das Freizeitverhalten, die Einstellung zu Normen und Entscheidungspräferenzen und Kontakte zu Polizei oder Justiz untersucht.

Status: laufend seit 2002 (bis voraussichtlich 2023)

beteiligte Institutionen: Institut für Kriminalwissenschaften, Professur für Kriminologie, Universität Münster & Professur für Methoden der empirischen Sozialforschung mit dem Schwerpunkt quantitative Methoden, Universität Bielefeld

beteiligte Forscher/innen: Prof. Dr. Klaus Boers, Prof. Dr. Jost Reinecke, Dr. Christina Beckord (ehem. Bentrup)

Förderung durch: DFG – Deutsche Forschungsgemeinschaft

Homepage: KrimStad bzw. Crimoc

Keywords: juvenile delinquency – longitudinal – life-course – self-reported delinquency

Effekte jugendstrafrechtlicher Interventionen in Deutschland und England

In dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt „Effekte jugendstrafrechtlicher Interventionen in Deutschland und England“ sollen mit den Daten zweier Panel-Studien aus Deutschland (Kriminalität in der modernen Stadt (CrimoC), Universitäten Münster und Bielefeld) und England (Peterborough Adolescent and Young Adult Development Study (PADS+), University of Cambridge) die Effekte formeller Kontrollinterventionen auf die Delinquenz Jugendlicher im Hell- und Dunkelfeld untersucht werden. Ausgehend von der Annahme, dass das englische Jugendkriminalrechtssystem punitiver ausgerichtet ist als das deutsche, sollen einerseits mögliche delinquenzsteigernde Wirkungen formeller sozialer Kontrolle, andererseits auf Abschreckung oder Resozialisierung beruhende delinquenzmindernde Wirkungen untersucht werden.

Status: laufend seit 2015 (bis voraussichtlich 2022)

beteiligte Institution: Institut für Kriminalwissenschaften, Professur für Kriminologie, Universität Münster

beteiligte Forscher: Prof. Dr. Klaus Boers, Dr. Marcus Schaerff, Florian Kaiser, M.A.

Förderung durch: DFG – Deutsche Forschungsgemeinschaft

Keywords: Interventionseffekte – Abschreckung – Labeling – komparative Kriminologie

Entstehungsbedingungen und rechtliche Regulierung von Unternehmenskriminalität

Aus Unternehmen heraus zu deren Nutzen verübte Straftaten sind trotz ihrer nicht zu unterschätzenden Verbreitung und zum Teil gravierenden gesellschaftlichen Auswirkungen vergleichsweise wenig erforscht. Dies gilt nicht nur für die Entstehungsbedingungen, sondern auch für die behördlichen und strafjustiziellen Reaktionen auf Unternehmenskriminalität und deren Effekte. Mit dem Forschungsvorhaben sollen die Möglichkeiten und Grenzen der rechtlichen Regulierung von Unternehmenskriminalität untersucht werden. Von besonderem Interesse ist dabei die Rolle, die das Strafrecht im Gesamtgefüge der sehr viel weiter gespannten sozialen Kontrolle unternehmensbezogener Kriminalität einnehmen kann und derzeit tatsächlich innehat. Im Unterschied zur „klassischen“ Kriminalität existiert für die Unternehmenskriminalität bereits für das Hellfeld der offiziell bekannt gewordenen Straftaten allenfalls ein äußerst unscharfes Bild. Um einen besseren Einblick zu erhalten, sollen die strafjustizielle Erfassung und die Art und Weise der Bearbeitung von Sachverhalten, die der Unternehmenskriminalität zuzuordnen sind, untersucht werden.

Status: laufend seit 2013 (bis voraussichtlich 2022)

beteiligte Institution: Institut für Kriminalwissenschaften, Professur für Kriminologie, Universität Münster

beteiligter Forscher: Dr. Christian Walburg

Keywords: Unternehmenskriminalität – soziale Kontrolle von Wirtschaftskriminalität

Universität Siegen

RESIST - Resilienz im Strafvollzug

Mit dem aufkommenden Diskurs um die Radikalisierung in Haft wird die Handlungsaufforderung an den Strafvollzug und die hier tätigen Mitarbeiter*innen explizit, neben resozialisierenden Maßnahmen Sicherheit aktiv hervorzubringen, indem eine Radikalisierung von Inhaftierten verhindert bzw. unterbrochen werden soll.
Ansätze zur Erklärung des Phänomens haben dabei fast ausschließlich das Individuum im Blick und arbeiten in einer defizitorientierten Perspektive heraus, wo der ‚falsche Abzweig‘ genommen und wie er korrigiert werden könnte. Radikalisierung wird angenommen, erkannt und bearbeitet, v. a. bei bekennenden Muslimen. Dabei geraten zwei Aspekte ins Hintertreffen. Zum einen bleibt implizit, wie sich das Wissen der Fachkräfte in der Deradikalisierungs- und Ausstiegsarbeit praktisch vollzieht. Wie bringen sie welches Wissen an? Wie sensibilisieren sie, klären auf und nehmen Setzungen vor? Zum anderen stellt Radikalität für viele Inhaftierte keine Option dar. Ihre Beteiligungen und ihr Repertoire bleiben ungehört. Es gibt also durchaus Widerständigkeiten gegen eine Radikalisierung. Diese einer Analyse zu unterziehen, ist Anliegen des aktuellen Vorhabens. Die ethnographische Arbeit begleitet multiperspektivisch die verschiedenen Beteiligten. Es werden sowohl Fachkräfte in der Deradikalisierungs- und Ausstiegsarbeit als auch Inhaftierte im Haftalltag begleitet. Das Vorhaben fragt nach den ermöglichenden Bedingungen für eine Problemgruppe und den Mechanismen, die das Zusammenspiel der alltäglichen und professionellen Methoden im Gefängnis organisieren.

Status: laufend seit 07/2019 (bis voraussichtlich 06/2022)

beteiligte Institution: Juniorprofessur für Sozialwissenschaftliche Kriminologie, Universität Siegen

beteiligte Forscher/innen: Jun.-Prof. Dr. Dörte Negnal, Faduma Abukar, Robert Thiele

Förderung durch: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Bundesprogramm „Demokratie leben!“)

Homepage: RESIST

Keywords: Deradikalisierung – Strafvollzug – pädagogische Fachkräfte – Ethnographie – Ethnomethodologie

Universität Wuppertal

Entwicklung eines Sozialkapital-Radars für den sozialraumorientierten Bevölkerungsschutz (Sokapi-R)

Die Erfahrungen großflächiger Krisenereignisse zeigen, dass sich die Unterstützungsbereitschaft der Bevölkerung vorrangig im sozialen Nahraum der Nachbarschaft formiert. Studien zu den sozialräumlichen Bedingungen wechselseitiger Unterstützungserwartungen und -leistungen legen nah, dass deren konkrete Ausprägungen wesentlich davon abhängen, wie der gesellschaftliche Zusammenhalt im Wohnumfeld der Bürger*innen wahrgenommen und eingeschätzt wird. Als eine zentrale Voraussetzung der Anpassungsfähigkeit sozialer Gemeinschaften in Krisen und Katastrophen ist das soziale Kapital von Wohngebieten jedoch insbesondere in urbanen Räumen höchst ungleich verteilt. Vor diesem Hintergrund ist das Ziel des Projekts die Entwicklung eines Sozialkapital-Radars, mit dem sich die soziale Unterstützungsbereitschaft in verschiedenen Krisen und Katastrophenlagen kleinräumig identifizieren und nachvollziehen lässt.

Status: laufend seit 08/2021 (bis 07/2024)

beteiligte Institution: Lehrstuhl für Bevölkerungsschutz, Katastrophenhilfe und Objektsicherheit, Bergische Universität Wuppertal & Deutsches Rotes Kreuz, Generalsekretariat

beteiligte Forscher/innen: Dr. Tim Lukas, Bo Tackenberg

Förderung durch: Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK)

Homepage: Sokapi-R

Publikationen: Überblick

Keywords: Sozialer Zusammenhalt – soziales Kapital – community resilience

Kooperation Sicherheit Innenstadt/Döppersberg (KoSID)

Mit der städtebaulichen Neugestaltung des Döppersbergs realisiert sich in Wuppertal das zentrale und wichtigste Stadtentwicklungsprojekt der vergangenen Jahrzehnte. War der Bereich in der Vergangenheit ein unübersichtlicher und wenig attraktiver Zugang zur Elberfelder Innenstadt, so modernisiert die Stadt Wuppertal das Gebiet nun umfangreich im Hinblick auf Aufenthaltsqualität und Funktionalität. Mit den Baumaßnahmen soll ein Bahnhofsumfeld geschaffen werden, das Mobilitäts- mit Konsumfunktionen verbindet und den Döppersberg als Visitenkarte der Stadt aufwertet. Die Erwartungen der Stadtgesellschaft und Politik sind darauf ausgerichtet, ein ansehnliches Entree und Stadtbild zu erzielen, das den Aufwand der städtebaulichen Umgestaltung rechtfertigt. Ziel des Projekts ist es, durch wissenschaftliche Begleitung die Wirkungen tradierter Ordnungs- und Sicherheitsmaßnahmen und neu entwickelter Maßnahmen zu untersuchen. Auf dieser Basis soll festgestellt werden, mit welchen abgestimmten Maßnahmenpaketen der Stadtplanung, des Ordnungsamtes, der Verkehrsbetriebe, der Wirtschaft wie auch der Sicherheitsbehörden in einem neu gestalteten urbanen Raum zielgerichtet agiert werden kann.

Status: laufend seit 04/2019 (bis 09/2022)

beteiligte Institution: Lehrstuhl für Bevölkerungsschutz, Katastrophenhilfe und Objektsicherheit, Bergische Universität Wuppertal

beteiligte Forscher/innen: Dr. Tim Lukas, Benjamin Coomann, Saskia Kretschmer

Förderung durch: Stiftung Lebendige Stadt, Ministerium des Innern NRW, Stadt Wuppertal, Bergische Universität Wuppertal, Stadtsparkasse Wuppertal, Wuppertaler Verkehrsbetriebe

Homepage: KoSID

Publikationen: Überblick

Keywords: Stadtentwicklung – Kriminalprävention – kooperative Sicherheitsgewährleistung – urbane Sicherheit – Bahnhofsviertel

Universität zu Köln

Prof. Dr. Clemens Kroneberg

Jugenddelinquenz in urbanen schulischen und wohnräumlichen Kontexten (JuKo)

Soziale Kontexte nehmen in Erklärungen von Jugenddelinquenz eine prominente Rolle ein. Die kriminologische Forschung hat eine Vielzahl von Belegen für die Relevanz nachbarschaftlicher und schulischer Kontexte zusammengetragen.
Jedoch wird zumeist ein bestimmter Kontext isoliert betrachtet und selten wird handlungstheoretisch fundiert der Frage nachgegangen, welche Personen solchen Kontexteinflüssen besonders stark, weniger oder überhaupt nicht unterliegen. Für den Mangel an Studien zum Einfluss multipler Kontexte und dessen Abhängigkeit von Individualmerkmalen ist in erster Linie die Seltenheit geeigneter Datenquellen verantwortlich. JuKo nimmt sich diesen Forschungslücken an und versucht zu einem tieferen Verständnis des Einflusses des wohnräumlichen und schulischen Kontexts auf Jugenddelinquenz zu gelangen. Grundlage des Vorhabens ist die Kombination und Analyse unterschiedlicher Datenquellen, denen in ihrer Zusammenschau eine besondere Aussagekraft zukommt. Im ersten Teil des Projekts werden Daten der englischen „Peterborough Adolescent and Young Adult Development Study“ (PADS+) analysiert, die durch eine einheitliche Messung der kollektiven Wirksamkeit („collective efficacy“) eine simultane Betrachtung von nachbarschaftlichen, schulischen und familiären Einflüssen ermöglichen. Dies erfolgt in Kooperation mit der Arbeitsgruppe von Professor Per-Olof Wikström am kriminologischen Instituts der Universität Cambridge. In einem zweiten Teil des Projekts werden Daten der DFG-finanzierten Dunkelfeldstudie „Freundschaft und Gewalt im Jugendalter“ um räumliche Hellfelddaten der Polizeilichen Kriminalstatistik erweitert, um die Kriminalitätsbelastung schulischer und wohnräumlicher Kontext einheitlich erfassen zu können. Dies erfolgt in Zusammenarbeit mit der Kriminalistisch-Kriminologischen Forschungsstelle des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalens.
Das Projekt zielt auf neue Einsichten zur relativen Bedeutung schulischer und wohnräumlicher Kontexte, möglichen verstärkenden oder kompensierenden Wirkungen und ihrer Abhängigkeit von Individualmerkmalen. Die Analysen werden theoretisch angeleitet durch die Situational Action Theory von Wikström sowie durch Arbeiten zu den kriminogenen Eigenschaften sozialer Kontexte. Entsprechend wird für schulische und wohnräumliche Kontexte danach gefragt, ob und auf welche Weise ihre Kriminalitätsbelastung, die vorherrschenden sozialen Normen und das Ausmaß an sozialer Kontrolle und Vertrauen Jugenddelinquenz begünstigen - und ob Vorhandensein und Stärke dieser Einflüsse von den moralischen Einstellungen und Selbstkontrollfähigkeiten von Jugendlichen sowie von ihrer sozialräumlichen Einbettung in Gleichaltrigengruppen abhängen.

Status: laufend seit 2020 (bis voraussichtlich 09/2023)

beteiligte Institution: Institut für Soziologie und Sozialpsychologie, Universität zu Köln und Kriminalistisch-Kriminologische Forschungsstelle (KKF) des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen und Centre for Analytic Criminology, Peterborough Adolescent and Young Adult Development Study (PADS+), University of Cambridge

beteiligte Forscher/innen: Prof. Dr. Clemens Kroneberg, Dipl.-Soz. André Ernst, Prof. Dr. Per-Olof Wikström, Dr. Maike Meyer, Kai Daubitz M.A., Dipl.-Psych. Vera Selle

Förderung durch: DFG – Deutsche Forschungsgemeinschaft

Homepage: JuKo

Keywords: Jugendgewalt – Schule – quantitative Längsschnittanalysen – Kontextanalysen

Social Integration and Boundary Making in Adolescence (SOCIALBOND)

Das vom Europäischen Forschungsrat geförderte Projekt „Social Integration and Boundary Making in Adolescence“ (SOCIALBOND) untersucht Prozesse der Integration, Gruppenbildung und Identitätsentwicklung im Jugendalter. Dabei soll vor allem auf die gesellschaftliche Rolle von Schulen für die Integration und den Zusammenhalt einer sozial und kulturell vielfältigen Schülerschaft eingegangen werden. Die Grundlage bilden zunächst Daten der Studie „Children of Immigrants Longitudinal Survey in Four European Countries“, in der 2010 und 2011 in mehr als 900 Schulklassen in England, Deutschland, den Niederlanden und Schweden mehr als 18,000 Schülerinnen und Schüler befragt wurden. Von 2018 bis 2020 soll zudem eine neue Studie an Schulen in Nordrhein-Westfalen durchgeführt werden.

Status: laufend seit 2017 (bis voraussichtlich 2022)

beteiligte Institution: Institut für Soziologie und Sozialpsychologie, Universität zu Köln

beteiligte Forscher/innen: Prof. Dr. Clemens Kroneberg, Dr. Hanno Kruse, Kathrin Lämmermann, Sven Lenkewitz, Andrea Meckel, Mark Wittek

Förderung durch: European Research Council (ERC Starting Grant)

Homepage: SOCIALBOND

Keywords: Integration – soziale Netzwerke – Identitäten – sozio-kulturelle Vielfalt

Cognitive Enhancement in Deutschland: Verbreitung, Beschaffungsstrategien, Ursachen und Implikationen

Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt „Cognitive Enhancement in Deutschland: Verbreitung, Beschaffungsstrategien, Ursachen und Implikationen“ untersucht die die Verwendung von apothekenpflichtigen, verschreibungspflichtigen und illegalen Substanzen (wie Koffeintabletten, Methylphenidat oder Amphetaminen) zur Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit ohne klinische Indikation. Die Panelstudie untersucht die Verbreitung der Einnahme solcher Substanzen, Ursachen des Konsums und Beschaffungswege. Bei der Erklärung des Konsums sollen Faktoren wie Merkmale der verwendeten Substanzen, Personenmerkmale und soziale Einflüsse erforscht werden. Damit soll ein besseres Verständnis des Phänomens geschaffen werden und die empirische Basis für Entscheidungen hinsichtlich Interventionen und Prävention erweitert werden.

Status: laufend seit 2018 (bis voraussichtlich 2021)

beteiligte Institution: Universität zu Köln, Institut für Soziologie und Sozialpsychologie Universität Erfurt, Staatswissenschaftliche Fakultät

beteiligte Forscher/innen: Dr. Sebastian Sattler, Prof. Dr. Guido Mehlkop, Dipl.-Soz. Floris van Veen, B.A. Fabian Hasselhorn

Förderung durch: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Homepage: Cognitive Enhancement in Deutschland

Keywords: Kognitive Leistungssteigerung – Medikamentenmissbrauch – Drogenmissbrauch – verschreibungspflichtige Medikamente – Beschaffungskriminalität – Entscheidungsfindung

Prof. Dr. Frank Neubacher

Radikalisierung im digitalen Zeitalter (RadigZ)

Das Projekt analysiert, inwieweit Internetpropaganda eine Radikalisierung in der realen (Offline-)Welt bedingt bzw. fördert. Dabei interessieren Radikalisierungsverläufe als Prozesse, die im Grundsatz reversibel sind und auch in Deradikalisierung münden können. Es handelt sich um ein Teilvorhaben des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektverbundes.

Status: laufend seit 03/2017 (bis 08/2020)

beteiligte Institutionen: Institut für Kriminologie, Universität zu Köln & Deutsche Hochschule der Polizei, Münster (Prof. Dr. Thomas Görgen) & Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) u.a.

beteiligte Forscher/innen: Prof. Dr. Frank Neubacher, M.A., Dr. Nicole Bögelein, Dipl.-Soz. Jana Meier, M.A.

Förderung durch: Bundesministerium für Bildung und Forschung

Homepage: RadigZ

Keywords: Rechtsextremismus – Islamismus – Internet – Ideologie – Netzwerke – Radikalisierung – Deradikalisierung

PD Dr. Daniel Seddig

Die Impfbereitschaft in der COVID19-Pandemie: Wertepräferenzen, institutionelles Vertrauen und geplantes Verhalten

Das Projekt widmet sich der Impfbereitschaft während der COVID19 Pandemie in Deutschland. Wir verwenden zur Erklärung der Impfbereitschaft als sozialpsychologisches Handlungsmodells die Theorie geplanten Verhaltens und berücksichtigen als "Hintergrundfaktoren" menschliche Werte, Vertrauen in politische und wissenschaftliche Institutionen, die Akzeptanz von Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sowie der Glaube an Verschwörungstheorien. Kriminologisch relevant ist in diesem Projekt der Fokus auf die Bereitschaft die Corona-Regeln zu befolgen sowie die Zusammenhänge zwischen der Impfbereitschaft, Pandemiewahrnehmung und Drogenmissbrauch.

Status: laufend seit 2021 (bis voraussichtlich 2022)

beteiligte Institutionen: Institut für Soziologie und Sozialpsychologie, Universität zu Köln

beteiligte Forscher/innen: PD Dr. Daniel Seddig, Dr. Dina Maskileyson, Prof. Dr. Eldad Davidov, Prof. em. Dr. Peter Schmidt, Prof. em Dr. Icek Ajzen

Förderung durch: Fritz Thyssen Stiftung

Keywords: COVID19 – Impfbereitschaft – Werte - Vertrauen - Corona-Regeln - Drogenmissbrauch

Dr. Amina Hoppe

Kollektivphänomene im digitalen Raum - Kriminologische Dimensionen und strafrechtliche Herausforderungen

Das Projekt analysiert kollektive Phänomene des digitalen Raums am Beispiel des Netzwerks Twitter. Hierfür wurden über sechs Monate die aufkommenden Themen im deutschsprachigen Twitter-Netzwerk anhand der verwendeten Hashtags sowie die Struktur der beteiligten Accounts erhoben. Im Rahmen des Projekts werden anhand statistischer Werte und Textanalysen grundlegende Eigenschaften dieser thematischen Wellen sowie ihr inhaltlicher und sprachlicher Verlauf erfasst. Mithilfe von Methoden der sozialen Netzwerkanalyse wird darüber hinaus die Struktur der beteiligten Akteure analysiert und ermittelt, wie stark die Akteure in der konkreten Debatte interagieren und ob darüber hinaus längerfristige Verbindungen zwischen ihnen bestehen. Anschließend wird diskutiert, ob die geltenden Regelungen hinsichtlich der Strafbarkeit der einzelnen und insbesondere zentraler Akteure und die strafrechtliche Zurechnungssystematik den Kollektivphänomenen des digitalen Raums gerecht werden können und wo möglicherweise Anpassungen notwendig sind.

Status: laufend seit 2021 (bis voraussichtlich 2025)

beteiligte Institutionen: Institut für Kriminologie, Universität zu Köln

beteiligte Forscher/innen: Dr. Amina Hoppe

Förderung durch: DFG – Deutsche Forschungsgemeinschaft

Homepage: Kollektivphänomene im digitalen Raum

Keywords: Kollektivphänomene – Internet – Twitter – Rechtsgüter des digitalen Raums

Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW

Die deeskalierende Wirkung von Bodycams im Wachdienst der Polizei Nordrhein-Westfalen

Vor dem Hintergrund der politischen Diskussion um steigende Gewalt gegen Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamte (PVD) wird die Hypothese diskutiert, dass offene Audio- und Videoaufzeichnungen durch PVB eine deeskalierende Wirkung entfalten und Gewaltdelikte gegen PVB reduzieren können. Grundlage für diese Vermutung ist die Annahme, dass Menschen sich eher normkonform verhalten, wenn sie sich der Beobachtung durch andere bewusst sind. Die präventive und deeskalierende Wirkung sichtbar am Körper getragener Aufzeichnungsgeräte (Bodycams) auf Adressaten polizeilicher Maßnahmen im Wachdienst der Polizei ist bisher noch nicht in dem Umfang erforscht, dass belastbare Erkenntnisse für polizeirechtliche, polizeistrategische und polizeitaktische Entscheidungen vorliegen. Dies gilt insbesondere für alltägliche Einsatzsituationen, z.B. im häuslichen Bereich.

Mit der Einführung des § 15c in das Polizeigesetz NRW wurde die erforderliche Rechtsgrundlage im Land NRW für den offenen Einsatz von Bodycams sowohl im öffentlichen Raum als auch in privaten Räumen geschaffen. Die Auswirkungen dieser Vorschrift und die praktische Anwendung sollen gem. § 15c PolG NRW bis zum 30.06.2019 durch die Landesregierung unter Mitwirkung einer oder eines unabhängigen sozialwissenschaftlichen Sachverständigen und einer oder eines polizeiwissenschaftlichen Sachverständigen im Rahmen einer Wirkungsanalyse geprüft werden. Zur Beantwortung der Forschungsfragen kommen verschiedene Methoden zum Einsatz. Für den kausalen Nachweis der deeskalierenden Wirkung wurde u.a. ein randomisiertes Verfahren entwickelt und eingesetzt, dass es ermöglicht, die Straftaten zum Nachteil von Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten zwischen der Kontroll- (Dienstschichten ohne Einsatz von Bodycams) und der Experimentalgruppe (Dienstschichten mit Einsatz von Bodycams) zu vergleichen. Daneben werden die Einstellungen und Erfahrungen der beteiligten Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten im Projektverlauf mehrfach mittels quantitativer und qualitativer Befragungen erhoben. Bürgerbeschwerden und die durch den Einsatz der Bodycam entstandenen Aufnahmen werden mit einem Auswerteraster analysiert

Status: laufend seit 05/2017 (bis voraussichtlich 05/2019)

beteiligte Institution: Institut für Polizei- und Kriminalwissenschaften der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW

beteiligte Forscher/innen: Prof. Dr. Stefan Kersting, Prof. Dr. Thomas Naplava, Prof. Dr. Michael Reutemann, Dr. Carola-Scheer-Vesper, Marie Heil

Förderung durch: Auftraggeber Ministerium des Inneren des Landes Nordrhein-Westfalen, Projektbetreuung durch Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD NRW)

Homepage: IPK

Keywords: Bodycam – Gewalt gegen Polizeibeamte – Deeskalation – Wirkungsevaluation – Polizeiforschung – Wachdienst

Kriminalistisch-Kriminologische Forschungsstelle LKA NRW

Prävention von „Clankriminalität“

Die Kriminalistisch-Kriminologische Forschungsstelle des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen befasst sich mit einem Projekt zur Erforschung von Kriminalität arabischstämmiger Großfamilien („Clankriminalität“). In dem Projekt geht es um die „Bestandsaufnahme und Analyse nationaler und internationaler Präventionsansätze“. Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Die KKF untersucht ebenfalls Präventionsansätze aus ähnlichen Phänomenbereichen oder der Extremismusforschung. Es wird geprüft, ob diese Ansätze auf den Bereich der "Clankriminalität" übertragen werden können. Die Erhebung und Auswertung der Ansätze erfolgt mehrstufig in Form von:

  • Experteninterviews
  • Workshops mit Experten aus Praxis und Forschung und
  • einer darauf aufbauenden Analyse hinsichtlich des Erfolgspotentials ausgewählter Ansätze.

Abschließend werden aus den daraus gewonnenen Erkenntnissen, Handlungsempfehlungen und Präventionsstrategien für die Praxis entwickelt.

Status: laufend seit 2020

beteiligte Institution: Teildezernat 32.4 „Kriminalistisch-Kriminologische Forschungsstelle“ (KKF) des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen 

beteiligte Forscherin: Dr. Maike Meyer, Maximilian Querbach, Alexander Werner, Kai Seidensticker

Förderung durch: Bundesministerium für Bildung und Forschung

Homepage: LKA NRW

Keywords: Clankriminalität – Prävention

Jugendgewalt an Schulen

Das Forschungsprojekt basiert auf einer Analyse von Hellfelddaten des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen für den Zeitraum 2010-2019, Literaturstudien sowie ergänzenden qualitativen Interviews mit Akteuren u.a. aus Schule, Polizei und Wissenschaft zu Ursachen und Präventionsmöglichkeiten von Jugendgewalt an Schulen. In einem Teilprojekt erfolgt eine Kooperation mit dem Institut für Soziologie und Sozialpsychologie der Universität zu Köln, unter der Leitung von Prof. Dr. Clemens Kroneberg. Dort wird parallel ein von der DFG gefördertes Forschungsprojekt zum Thema „Jugenddelinquenz in urbanen schulischen und wohnräumlichen Kontexten“ durchgeführt. Diese Kooperation erlaubt es, neben den Hellfelddaten auch mit hohen wissenschaftlichen Standards erhobene Dunkelfelddaten zu Jugendgewalt miteinzubeziehen.

Status: laufend seit 2020 (bis voraussichtlich 2023)

beteiligte Institution: Teildezernat 32.4 „Kriminalistisch-Kriminologische Forschungsstelle“ (KKF) des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen, Institut für Soziologie und Sozialpsychologie der Universität zu Köln

beteiligte Forscherin: Dr. Maike Meyer, Dipl.-Psych. Vera Selle, Kai Daubitz, M.A., Prof. Dr. Clemens Kroneberg, Dipl.-Soz. André Ernst

Homepage: LKA NRW

Keywords: Jugendgewalt – Schule – Hellfeld – qualitative Interviews

Sexuelle Gewalt gegen Frauen

Das Forschungsprojekt beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Fällen sexueller Gewalt gegen Frauen durch männliche Einzeltäter und Gruppen, bei denen zum Tatzeitpunkt keine Vorbeziehung zwischen Täter und Opfer bestand. Im Fokus stehen dabei Fälle sexueller Übergriffe, sexueller Nötigung und Vergewaltigung gemäß § 177 StGB. Im Rahmen des auf drei Jahre angelegten Projektes werden sechs Ziele verfolgt:

  • Deskriptive Beschreibung der Kriminalitätslage und -entwicklung
  • Analyse von Opfer-, Tat- und Tätermerkmalen
  • Analyse der polizeilichen Sachbearbeitung
  • Analyse der Zuverlässigkeit von Opferaussagen
  • Erweiterung des Kenntnisstandes zu Opferschutz und Opferbedürfnissen
  • Bewertung der Aussagekraft und Qualität der Datenbestände

Zur Umsetzung dieser Ziele werden unterschiedliche Datenbestände und Forschungsmethoden verwendet. So werden zum einen staatsanwaltschaftliche Ermittlungsakten, polizeiliche Daten, Daten aus dem Bundeszentralregister und Daten aus dem Melderegister ausgewertet. Außerdem werden Interviews mit Opfern, polizeilichen Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeitern sowie mit Psychologinnen und Psychologen aus dem psychologischen Dienst der Justizvollzugsanstalten und Maßregelvollzugseinrichtungen des Landes NRW sowie Gruppendiskussionen mit Expertinnen und Experten der Bereiche Opferschutz und strafrechtliche Ermittlungsverfahren geführt.

Status: laufend seit 2018 (bis voraussichtlich 2022)

beteiligte Institution: Teildezernat 32.4 „Kriminalistisch-Kriminologische Forschungsstelle“ (KKF) des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen, Institut für Polizei- und Kriminalwissenschaften (IPK) der FHöV NRW & Fachhochschule Münster 

beteiligte Forscherin: Dr. Maike Meyer, Prof. Dr. Daniela Pollich, Prof. Dr. Ruth Linssen, Prof. Dr. Kerstin Feldhoff

Homepage: LKA NRW, IPK der FHöV

Keywords: Vergewaltigung – Sexuelle Nötigung – Sexuelle Übergriffe – Sexuelle Belästigung – Neues Sexualstrafrecht – Opferschutz

Viktimisierungssurveys für das Land Nordrhein-Westfalen

In der Kriminalistisch-Kriminologischen Forschungsstelle des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen werden seit dem Jahr 2019 regelmäßig Viktimisierungssurveys durchgeführt. Hierbei handelt es sich jeweils um für das Land Nordrhein-Westfalen repräsentative Bürgerbefragungen zu Erfahrungen mit Kriminalität, Anzeigeverhalten, Kriminalitätseinstellungen (u.a. Sicherheitsgefühl) und Erfahrungen mit der Polizei und Hilfsangeboten. Im Jahr 2019 wurden 60.000 in Nordrhein-Westfalen lebende Bürgerinnen und Bürger mit dem Fokus auf physische, psychische und sexuelle Gewalt befragt. Im Jahr 2020 startete der Bund den über den europäischen Sicherheitsfond kofinanzierten periodisch angelegten Viktimisierungssurvey „Sicherheit und Kriminalität in Deutschland (SKiD). Dieser wird in einem Turnus von zwei Jahren fortgeführt. Den Ländern steht es frei, sich im Rahmen dieser Studie mit einer Stichprobenaufstockung zu beteiligen. In Nordrhein-Westfalen werden in den ersten beiden Erhebungswellen Ende 2020 und Anfang 2023 jeweils rund 40.000 Bürgerinnen und Bürger befragt. Ein Schwerpunkt in der ersten Erhebungswelle liegt in Nordrhein-Westfalen auf dem Thema „Sicherheit im öffentlichen Raum“.

Status: laufend seit 2019

beteiligte Institution: Teildezernat 32.4 „Kriminalistisch-Kriminologische Forschungsstelle“ (KKF) des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen 

beteiligte Forscherin: Dr. Maike Meyer, Lena Jordan

Förderung durch: SKiD: Fond für die Innere Sicherheit der Europäischen Union

Homepage: LKA NRW

Keywords: Viktimisierung – Opfererfahrungen – Anzeigeverhalten – Kriminalitätsfurcht – Bürgerbefragung

System zur Kriminalitätsauswertung und Lageantizipation (SKALA)

Das LKA NRW führte zum Thema Predictive Policing exemplarisch am Delikt Wohnungseinbruchdiebstahl das Projekt SKALA durch. SKALA wurde im Zeitraum 2015 bis 2018 in sechs nordrhein-westfälischen Polizeibehörden getestet. Ziel des Projektes war es, die Möglichkeiten und Grenzen der Prognose von Kriminalitätsbrennpunkten sowie die Effizienz und Effektivität darauf aufbauender polizeilicher Interventionen im Rahmen eines Pilotversuchs zu prüfen. Das Projekt wurde zum 01.02.2018 erfolgreich beendet. Das LKA NRW hat mit SKALA ein eigenes, unabhängiges System zur Kriminalitätsprognose entwickelt. SKALA kann die Einsatzplanung von zentraler Stelle unterstützen und bietet neue Ansatzpunkte für die Kriminalprävention. Im Rahmen von SKALA werden Prognosen von Kriminalitätsrisiken auf Basis raumbezogener Daten für jedes Wohnquartier der Polizeibehörden erstellt. Die Behörden werden über Wohnquartiere mit erhöhtem Kriminalitätsrisiko informiert. Neben dem Wohnungseinbruch werden auch Prognosen für Einbruchdiebstahl aus Gewerbeobjekten sowie Prognosen für ausgewählte Kraftfahrzeugdelikte erstellt. Die in SKALA erstellten Prognosen können unter anderem über das im Projekt entwickelte Visualisierungs- und Auswertetool SKALA | MAP dargestellt werden. Ferner steht SKALA | MAP allen Polizeibehörden im Land NRW zur Darstellung und Auswertung von Kriminalität – auch unabhängig von Kriminalitätsprognosen – zur Verfügung. Seit 2021 werden für alle Kreispolizeibehörden in NRW Kriminalitätsprognosen berechnet. SKALA hat sich zudem zu einem Forschungsbereich der Kriminalistisch-Kriminologischen Forschungsstelle des LKA NRW weiterentwickelt, in welchem der Fokus auf den Zusammenhang von Kriminalität und Raum gelegt wird. Damit liefert SKALA – über die Berechnung von Kriminalitätsprognosen hinaus – wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse für die Prävention und Bearbeitung von Kriminalität und unterstützt die Kreispolizeibehörden in NRW bei der Visualisierung von und Auswertung zu Kriminalitätsphänomenen.

Status: laufend seit 2015

beteiligte Institution: Teildezernat 32.4 „Kriminalistisch-Kriminologische Forschungsstelle“ (KKF) des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen 

beteiligte Forscher/innen: Dr. Hanna Post, Dr. Kathryn Sivalingam, Kai Seidensticker, Isabel Krause; vormals: Prof. Dr. Daniela Pollich, Prof. Dr. Felix Bode, Dr. Florian Stoffel

Homepage: LKA NRW

Keywords: Predictive Policing

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