Kriminologie in Nordrhein-Westfalen

Das Netzwerk der Kriminologinnen und Kriminologen in Nordrhein-Westfalen

Universität Bielefeld     FH Münster     Universität zu Köln      Universität Siegen     Universität Wuppertal      FHöV NRW      KKF LKA NRW

Universität Bielefeld

Die Behandlung fehlender Werte in komplexen Datensätzen

Social science methods are not restricted to the implementation of a survey design and the analysis of the observed data using standard methods. One important aspect concerns the data not observed and the question of whether the observed data are selective with respect to the intended inference. Thus, if data are not observed one important link in the line of argument is the proper handling of missing data. The ultimative goal therefore should be that the final analysis allows valid inferences and, as a secondary goal, to be able to make precise inferences. The project should help social scientists to draw less biased and more precise inferences based on complex large panel surveys as compared with available software.

The main goal of the project is to develop guidelines for handling missing data via multiple imputations in social science applications with complex surveys and to identify and to describe possible limitations. Two programs have been developed as R modules (Countimp and ImputeRobust) with properties necessary to multiply impute complex data sets efficiently which are not available with current software packages. These packages are able to consider the multilevel structure of panel data and/or special distributional assumptions of count data during the imputation phase. The project was part of the Priority Program on Survey Methodology (PPSM) located at the University of Bremen.

Status: abgeschlossen (2009 bis 2014)

beteiligte Institutionen: Professur für Methoden der empirischen Sozialforschung mit dem Schwerpunkt quantitative Methoden, Universität Bielefeld & Institut für Psychologie, Arbeitsbereich Psychologische Methoden und Statistik, Universität Hamburg

beteiligte Forscher: Prof. Dr. Jost Reinecke, Prof. Dr. Martin Spieß

Förderung durch: DFG – Deutsche Forschungsgemeinschaft

Homepage: Multiple Imputation

Keywords: Complex data structures – Panel surveys – Multiple imputation – Count data – Multilevel – R module

Die Entstehung und Entwicklung devianten und delinquenten Verhaltens im Lebensverlauf und ihre Bedeutung für soziale Ungleichheitsprozesse

Teilprojekt A2 des Sonderforschungsbereichs 882 „Von Heterogenitäten zu Ungleichheiten“

Das Projekt untersucht mit dem Lebensverlaufsansatz aus psychologischer sowie soziologischer Perspektive die Entstehung devianten und delinquenten Verhaltens. Im Vordergrund steht hier der Zusammenhang zwischen der Entwicklung dieser Verhaltensweisen und der Verfestigung sozialer Ungleichheiten sowie sozialer Ausgrenzung. Es sollen sowohl Faktoren identifiziert werden, die "Ausstiegsprozesse" aus der Devianz und Delinquenz begünstigen als auch solche, die persistentes deviantes und delinquentes Verhalten fördern. Es werden hierzu zwei theoretische Ansätze berücksichtigt:

  1. Aus der Lebenslaufperspektive haben Sampson und Laub (Age-graded theory of informal social control) insbesondere den Aspekt der kumulierten Benachteiligungen (Ausgrenzungs- und Stigmatisierungsprozesse) als auch die Funktion von biographischen Wendepunkten hervorgehoben.
  2. Für den situationalen Aspekt des devianten und delinquenten Verhaltens sind die Hypothesen des Ansatzes von Wikström (Situational Action Theory) forschungsleitend. Zentrale Konstrukte sind die individuelle Neigung (Propensity) und die Gefährdung durch den Situationskontext (Exposure).

Die Datenerhebung des Forschungsprojektes ist als längsschnittliches, kombiniertes Kohorten-Sequenz-Design mit jährlichen Erhebungswellen an zwei Standorten (Nürnberg und Dortmund) über einen Zeitraum von drei Jahren (2012 bis 2014) konzipiert worden. Die junge Kohorte besteht aus Personen der 5., 6. und 7. Jahrgangstufe, die ältere Kohorte besteht aus Personen der 9., 10. und 11. Jahrgangstufe. Es wurde eine Stratifizierung (oversampling) von Personen aus Hauptschulen angestrebt. Die Stichprobe in Dortmund berücksichtigt alle zum Zeitpunkt 2012 vorhandenen, weiterführenden Schulformen (außer Förderschulen), die Stichprobe in Nürnberg ausschließlich Hauptschulen.

Status: abgeschlossen (2012 – 2016)

beteiligte Institutionen: Professur für Methoden der empirischen Sozialforschung mit dem Schwerpunkt quantitative Methoden, Universität Bielefeld & Institut für Psychologie, Lehrstuhl für Psychologische Diagnostik, Methodenlehre und Rechtspsychologie, Universität Erlangen-Nürnberg

beteiligte Forscher: Prof. Dr. Jost Reinecke, Prof. Dr. Mark Stemmler

Förderung durch: DFG – Deutsche Forschungsgemeinschaft

Homepage: Chancen und Risiken

Keywords: Panelstudie – Kohortensequenzdesign – Jugendkriminalität – Ungleichheit – Age-graded theory of informal social control – Situational Action Theory

Fachhochschule Münster

Prävention von Korruptionsrisiken in der niedersächsischen Polizei

Innerhalb einer Kooperation der Fachhochschule Münster mit der Kriminologischen Forschungsstelle (KFSt) im Landeskriminalamt Niedersachsen wird das Phänomen Korruption in der Polizei untersucht. Das Forschungsprojekt gliedert sich in drei Phasen. In der ersten Phase wurde angestrebt, Korruptionsrisiken in der Polizei anhand von Hellfelddaten und Experteninterviews zu umreißen. In der zweiten Phase schließt sich eine repräsentative, anonyme Dunkelfelderhebung zu Korruption in der Polizei an, die tatsächlich erlebte Fälle von Korruption oder korruptionsnahen Handlungen erhebt. Hier steht vor allem die Klärung, wo korrupte Handlungen beginnen, im Fokus. Ebenso der Umgang im Kollegenkreis oder innerhalb der Organisation mit solch problematischen Situationen. Mittels der Ergebnisse der Dunkelfelderhebung werden aktuell in Phase drei praxisnahe und wirksame, weil empirisch fundierte Präventionskonzepte vom Landeskriminalamt Niedersachsen entwickelt.

Status: abgeschlossen (01/2011 bis 04/2014)

beteiligte Institutionen: Fachbereich Sozialwesen, Professur für Soziologie und Recht, Fachhochschule Münster & Kriminologische Forschungsstelle, Landeskriminalamt Niedersachen

beteiligte Forscherin: Prof. Dr. Ruth Linssen

Homepage: Korruptionsrisiken

Keywords: Korruption – Korruptionsprävention – Dunkelfeld – Polizei

Studieren mittels Kurzvideos: Motivation zum Lesen, Reflektieren, Recherchieren

Das Projekt hat  praktische Konsequenzen aus  eigenen Messungen bei Studierenden ableiten, die gezeigt haben, dass die Lesekompetenzen von Studienanfängern verbesserungswürdig sind. Inhalt des Projekt ist das Erstellen kurzer (3-5 Min.) Videosequenzen, die anhand eines praktischen Falles entweder auf einen ausführlichen Einführungstext zum Thema und/oder auf die Anwendung bestimmter Gesetzestexte verweisen. In kleinen, mit Techniken wie simple show und animierten Figuren versehenen Sequenzen werden Fallbeispiele dargestellt und mit den entsprechenden Gesetzesvorschriften verknüpft und inhaltlich begründet. Ferner wird darin auf einen Begleittext verwiesen, der Fragen beantwortet, die der zuständige Sozialarbeiter sich in dem Beispielfall stellen könnte.

Ziel ist in erster Linie, dass Studierende den Umgang mit und die Anwendung von Gesetzestexten lernen und auch die praktische Relevanz von Informationen zu den bearbeiteten Themen erkennen (Fragen, die Klient stellen könnte). Dahinter steht in zweiter Linie auch das Ziel, die Studierenden mit Eigenmotivation zu vermehrter und intensiverer Textarbeit zu ermutigen (Verstehen, Reflektieren) und damit sukzessive auch die Lesekompetenz durch Übung und erneute Motivation zu verbessern.

Status: abgeschlossen (03/2016 bis 09/2017)

beteiligte Institution: Fachbereich Sozialwesen, Professur für Soziologie und Recht, Fachhochschule Münster

beteiligte Forscherin: Prof. Dr. Ruth Linssen

Homepage: Kurzvideos, Video 1, Video 2, Video 3, Video 4

Keywords: Blended Learning – Linssen Law Learning – Inverted Classroom – Strafrecht für Soziale Arbeit – Youtube

Universität zu Köln

Illegale Drogenmärkte außer- und innerhalb von Justizvollzugsanstalten

Dieses Projekt betrachtete illegale Drogenmärkte außer- und innerhalb von Justizvollzugsanstalten; dabei lag der Schwerpunkt auf dem Cannabishandel. Die gestellten Forschungsfragen lauteten: Wie gelangen die Drogen zu den Gefangenen? Bedienen sie sich hierfür der Kontakte, die für sie auch in Freiheit maßgeblich waren? Welche Akteure spielen sonst noch eine Rolle? Im Rahmen des qualitativen Projekts wurden bundesweit Gefangene bzw. Personen mit Hafterfahrung sowie Expertinnen und Experten aus Justiz und Polizei interviewt.

Es handelte sich um ein Teilvorhaben im vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojekt „Drogen und organisierte Kriminalität (DROK)“ (Leitung Centre for Drug Research, Universität Frankfurt). Dieses erstreckte sich auch auf den internetbasierten Handel.

Status: abgeschlossen (2014 – 2016)

beteiligte Institutionen: Institut für Kriminologie, Universität zu Köln & Centre for Drug Research Frankfurt, Universität Frankfurt & Institut für Suchtforschung Frankfurt, Frankfurt University of Applied Sciences

beteiligte Forscher/innen: Prof. Dr. Frank Neubacher, M.A., Dr. Nicole Bögelein, Dipl.-Soz. Jana Meier, M.A.

Förderung durch: Bundesministerium für Bildung und Forschung

Homepage: DROK

Keywords: Drogenhandel – Gefängnis – Subkultur

Vermeidung von Ersatzfreiheitsstrafen

Das Institut für Kriminologie der Universität zu Köln evaluierte Maßnahmen zur Vermeidung von Ersatzfreiheitsstrafen in NRW. Die Geldstrafe ist neben der Freiheitsstrafe die zweite Hauptstrafe des deutschen Rechts und die bei weitem am häufigsten verhängte Sanktion. Wird eine Geldstrafe von einem/einer Verurteilten nicht bezahlt, resultiert sie in einer Ersatzfreiheitsstrafe (s. § 43 StGB, §§ 459 ff. StPO). Eine verurteilte Person kann diese durch zwei Möglichkeiten abwenden: Der Geldbetrag kann entweder doch bezahlt werden oder es wird gemeinnützige Arbeit abgeleistet.

Eine Ersatzfreiheitsstrafe birgt für alle Beteiligten erhebliche Nachteile. Die verurteilte Person ist mit negativen persönlichen und sozialen Konsequenzen konfrontiert (Inhaftierung, Einschränkung sozialer Kontakte, möglicherweise Verlust des Arbeitsplatzes usw.). Aus Sicht des Staates „gehört“ der Geldstrafenschuldner eigentlich nicht in den Strafvollzug; die Verbüßung der Ersatzfreiheitsstrafe verursacht außerdem erhebliche Kosten. Im Rahmen unserer Studie evaluierten wir die Vollstreckungsabläufe und führten Interviews und Gruppendiskussionen mit Verurteilten, Rechtspflegerinnen und Rechtspflegern sowie Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern.

Status: abgeschlossen (06/2011 bis 06/2013)

beteiligte Institution: Institut für Kriminologie, Universität zu Köln

beteiligte Forscher/innen: Prof. Dr. Frank Neubacher, M.A., Dr. Nicole Bögelein, Dipl.-Soz. André Ernst

Förderung durch: Justizministerium Nordrhein-Westfalen

Homepage: EFS-Website

Keywords: Ersatzfreiheitsstrafe – Geldstrafe – Strafvollstreckung – gemeinnützige Arbeit –  freie Arbeit – Strafe – Evaluation

Gewalt und Suizid im Jugendstrafvollzug

Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierte Projekt befasst sich längsschnittlich mit Gewalt und Suizid im Jugendstrafvollzug. Methodisch wurden Fragebogen eingesetzt, Interviews mit Gefangenen geführt und Gefangenenpersonalakten ausgewertet. Die Ausdehnung der Forschung auf weibliche Jugendstrafgefangene erlaubt auch Aussagen über den Jugendstrafvollzug an jungen Frauen. An der Studie nahmen 882 junge Männer und 269 junge Frauen teil.

Status: abgeschlossen (05/2010 bis 01/2018)

beteiligte Institution: Institut für Kriminologie, Universität zu Köln

beteiligte Forscher/innen: Prof. Dr. Frank Neubacher, M.A., Dr. Verena Boxberg, Dipl.-Soz. André Ernst, Sarah E. Fehrmann, M.A., Dipl.-Psych. Jenny Häufle, Holger Schmidt, M.A., Daniel Wolter, M.A.

Förderung durch: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Homepage: Gewalt und Suizid

Keywords: Gewalt – psychische Gewalt – Mobbing – physische Gewalt – Körperverletzung – sexuelle Gewalt – Suizid – Suizidalität – Anpassungsstrategien – Pains of imprisonment – Importation – Deprivation – Verfahrensgerechtigkeit – Subkultur – Männlichkeitsvorstellungen – Täter-Opferrollen – Längsschnitt – Geschlechtervergleich   

Universität Siegen

Prof. Dr. Dollinger

Folgen sozialer Hilfen

Was geschieht mit Menschen, denen professionell geholfen wird? Mit diesem Fokus zielt die Studie „Folgen sozialer Hilfen“ auf den Kern institutioneller Hilfeleistungen: ihre Folgen für die Adressatinnen und Adressaten. Aus einer Orientierung an deren Erfahrungsformen werden Folgen in den Arbeitsfeldern Jugendkriminalität, Behinderung und Migration sowie an der Schnittstelle von Jugendhilfe und Schule vergleichend analysiert. Unterschieden wird dabei die Eingriffsintensität einzelner Maßnahmen.

Status: abgeschlossen (10/2015 bis 09/2017)

beteiligte Institutionen: Fakultät II, Department Erziehungswissenschaft – Psychologie: Sozialpädagogik und Sozialarbeit, Universität Siegen & Fakultät II, Department Erziehungswissenschaft – Psychologie: Sozialisation, Jugendbildung, Lebenslaufforschung, Universität Siegen, Fakultät II, Department Erziehungswissenschaft – Psychologie: Sozialpädagogik, Universität Siegen

beteiligte Forscher/innen: Prof. Dr. Bernd Dollinger, Prof. Dr. Thomas Coelen, Prof. Dr. Chantal Munsch, Prof. Dr. Albrecht Rohrmann, Jennifer Buchna, Luzie Glide, M.A., Selina Heppchen, M.A., Dr. Hanna Weinbach, Dipl.-Soz.päd., Dipl.-Päd. Vesna Varga

Förderung durch: Landesmittel NRW

Homepage: Folgen sozialer Hilfen

Keywords: Jugendkriminalität – Folgen – soziale Hilfen – Adressatenorientierung

Jugendkriminalität im politischen Interdiskurs

Ziel der Untersuchung ist es, politische Diskurse mit Blick auf Transformationen des Verständnisses von Jugendkriminalität sowie hinsichtlich möglicher punitiver Tendenzen zu analysieren. Von Interesse ist dabei, inwieweit Diskurspositionen in Abhängigkeit von verschiedenen Parteizugehörigkeiten, aber auch grundsätzlich im Zeitverlauf und hinsichtlich verschiedener Täter- und Delinquenzbilder differieren. Analysiert werden alle Debatten zu Jugendkriminalität in Bundestag und Bundesrat sowie in vier Landtagen.

Status: abgeschlossen (07/2013 bis 08/2015)

beteiligte Institutionen: Department Erziehungswissenschaft – Psychologie: Sozialpädagogik und Sozialarbeit, Universität Siegen & Institut  für Public Health, Universität Bremen 

beteiligte Forscher/innen: Prof. Dr. Bernd Dollinger, Prof. Dr. Henning Schmidt-Semisch, Dipl.-Päd. Matthias Rudolph

Förderung durch: DFG – Deutsche Forschungsgemeinschaft

Homepage: Jugendkriminalität 

Keywords: Jugendkriminalität – Punitivität – Kriminalpolitik

Straferfahrungen: Strafrechtliche Verurteilungen aus der Sicht von Jugendlichen und Heranwachsenden

Das Projekt zielt auf eine tiefgehende Analyse der Wahrnehmung und Interpretation von strafrechtlichen Urteilen durch Jugendliche und Heranwachsende. Im Zentrum stehen die Fragen: Wie nehmen Jugendliche bzw. Heranwachsende den Prozess des Strafverfahrens und das verhängte Urteil wahr? Wie erklären sie sich das Geschehene und welche Erwartungen haben sie bzgl. zukünftiger Ereignisse? Welchen Veränderungen unterliegen ihre Identitäten im Kontext eines strafrechtlichen Verfahrens?

Status: abgeschlossen (06/2015 bis 05/2017)

beteiligte Institutionen: Fakultät II, Department Erziehungswissenschaft – Psychologie: Sozialpädagogik und Sozialarbeit, Universität Siegen & Fakultät III, Department Wirtschaftsrecht, Bürgerliches Recht mit dem Schwerpunkt Familienrecht einschließlich freiwillige Gerichtsbarkeit und Kinder- und Jugendhilferecht, Universität Siegen

beteiligte Forscher/innen: Prof. Dr. Bernd Dollinger, Prof. Dr. Tobias Fröschle, Luzie Glide, M.A., Selina Heppchen, M.A.

Förderung durch: Landesmittel NRW

Homepage: Straf-Erfahrungen

Keywords: Jugendkriminalität – Hauptverhandlung – Narrationen – Verurteilung

Jun.-Prof. Dr. Negnal

Praxisforschung zur polizeilichen Kriminalprävention

In dem deutsch-französischen kultur- und sozialwissenschaftlichen Forschungsprojekt CODISP (Concepts for the Development of Intelligence, Security and Prevention) wurde die Generierung und Zirkulation von Praxis-Wissen im Zuge der präventiven polizeilichen Arbeit untersucht. Wir fragten, wie Präventionsbeamtinnen und Präventionsbeamte:

  • vor Ort ihrer Arbeit nachgehen, d.h. Sozialräume erschließen, Beziehungen aufbauen, Bedarfe erarbeiten;
  • dabei Wissen anbringen und erheben sowie ihre Erfahrungen für die Polizeiorganisation verfügbar und nutzbar machen;
  • innerhalb der Polizeiorganisation die Präventionsbereiche gestalten und ausbauen.

Die ethnographische Forschung thematisierte die praktischen Bedingungen und Wechselwirkungen von Kriminalprävention und ermöglichte so eine (auch polizeiinterne) Auseinandersetzung mit ihrer konkreten Ausgestaltung.

Status: abgeschlossen (2012 bis 2015)

beteiligte Institutionen: Institut für Soziologie, Universität Frankfurt a.M. & Institut für Sozialwissenschaften, Humboldt Universität zu Berlin & Centre Marc Bloch

beteiligte Forscher/innen: Prof. Dr. Thomas Scheffer, Christiane Howe, Jun.-Prof.‘in Dr. Dörte Negnal, Eva Kiefer, M.A., Dr. Yannik Porsché

Förderung durch: Bundesministerium für Bildung und Forschung

Homepage: CODISP

Keywords: Praxisforschung – ethnographische Forschung – polizeilichen Kriminalprävention

Universität Wuppertal

Aspekte einer gerechten Verteilung von Sicherheit in der Stadt (VERSS)

Sicherheit und Unsicherheit sind nicht gleichmäßig und nicht für jeden gleich verteilt. Die Sicherheitslandschaft wird durch den Einsatz finanzieller und personeller Ressourcen abhängig von räumlichen Gegebenheiten, individuellen Einstellungen und politischen Entscheidungen unterschiedlich geformt. Das BMBF-Projekt VERSS widmete sich den Bedingungen der Verteilung von Sicherheit insbesondere in Hinblick auf öffentliche und private Maßnahmen der Kriminalprävention. Im Rahmen des Projektes wurde Vertrauen als entscheidender sozialer Parameter zur Herstellung und Gewährleistung von Sicherheit betrachtet. Dabei wurde sowohl das Vertrauen in rechtsstaatliche Institutionen, wie die Polizei, als auch das wechselseitige Vertrauen von Bewohner(inne)n innerhalb einer Nachbarschaft in den Blick genommen, um daraus „Leitlinien für eine gerechte Verteilung von Sicherheit in der Stadt“ zu entwickeln.

Status: abgeschlossen (06/2014 bis 09/2017)

beteiligte Institution: Lehrstuhl für Bevölkerungsschutz, Katastrophenhilfe und Objektsicherheit, Bergische Universität Wuppertal & Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften, Stiftungsprofessur für Kriminalprävention und Risikomanagement, Eberhard-Karls-Universität Tübingen & Katastrophenforschungstelle, FU Berlin

beteiligte Forscher/innen: Dr. Tim Lukas, Prof. Dr. Regina Ammicht Quinn, Prof. Dr. Rita Haverkamp, Prof. Dr. Martin Voss

Förderung durch: BMBF (Forschung für die zivile Sicherheit)

Homepage: VERSS

Keywords: Sicherheit – Verteilungsgerechtigkeit – Kriminalprävention – Bürgerschaftliches Engagement – Vulnerabilität – Resilienz

Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW

Kriminalitätsfurcht und Angsträume in Gelsenkirchen – Eine qualitative Erhebung der Risikoperzeption auf Stadtteilebene

Im Zentrum des Forschungsprojekts steht die Frage nach dem Einfluss sog. Incivilities – sichtbare Verfallserscheinungen des städtischen Raums – auf die Risikoperzeption der Bewohnerinnen und Bewohner. Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurde auf Methoden der qualitativen Sozialforschung zurückgegriffen: Zum einen wurden leitfadengestützte Interviews und Gruppendiskussionen mit Stadtteilbewohnerinnen und -bewohnern, Geschäftsbetreibenden und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Ordnungsämter zu ihrer Risiko- und Sicherheitswahrnehmung geführt. Zum anderen wurden in verdeckt teilnehmenden, systematischen Beobachtungen die Incivilities erfasst. Schließlich haben ausgewählte Bewohnerinnen und Bewohner (Idealtypen nach dem Ergebnis der Interviews und Diskussionen) mit zur Verfügung gestellten Einwegkameras ihre Angsträume, denen sie in ihrem Alltag in Gelsenkirchen begegnen, dokumentiert. Die technikbedingten Einschränkungen der analogen Fotografie (insbesondere die Restriktion, dass Bilder nach der Aufnahme nicht unmittelbar kontrolliert oder später bearbeitet werden können) verhindern eine unerwünschte Inszenierung der fotografierten Situationen und Orte. So entstanden unverfälschte dokumentarische Momentaufnahmen aus dem Blickwinkel der jeweiligen Fotografen. Mit dem Forschungsprojekt leisen die Verantwortlichen einen Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion über die Entstehung von Kriminalitätsfurcht auf kleinräumlicher Ebene und befördern zudem die Fotografie als Methode der qualitativen Datenerhebung im Zusammenhang in Deutschland bislang noch nicht sehr weit entwickelten „Kriminologie des Visuellen“.

Status: abgeschlossen

beteiligte Institution: Fachbereich Polizei, Fachgruppe Polizeiwissenschaften, Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW, Studienort Gelsenkirchen

beteiligte Forscher: Prof. Dr. Christian Wickert, Prof. Dr. Stefan Kersting

Förderung durch: Institut für Polizei- und Kriminalwissenschaften der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW

Keywords: Kriminalitätsfurcht – Angsträume – Visuelle Kriminologie – Gelsenkirchen

Kriminalistisch-Kriminologische Forschungsstelle LKA NRW

Kriminalitätsmonitor NRW

Informationen über das Ausmaß, die Struktur und die Entwicklung des Kriminalitätsgeschehens in Nordrhein-Westfalen werden vorwiegend aus kriminalstatistischen Datensammlungen wie der Polizeilichen Kriminalstatistik und deliktsspezifischen Lagebildern gewonnen. Diese Informationen bilden eine wesentliche Basis für kriminalpolitische und -strategische Entscheidungen, lassen aber wesentliche Bereiche des Kriminalitätsgeschehens, nämlich diejenigen Straftaten, die den Institutionen der Strafverfolgung nicht bekannt werden, unbeachtet. Im LKA NRW wurde daher zwischen den Jahren 2007 und 2011 eine repräsentative Dunkelfeldstudie (Viktimisierungssurvey) durchgeführt. In vier Erhebungswellen (2007, 2008, 2009, 2011) wurden dabei Bürgerinnen und Bürger Nordrhein-Westfalens zu folgenden Themen befragt: (1) Opfererfahrungen, (2) Anzeigeverhalten, (3) Sicherheitsgefühl und Kriminalitätsfurcht und (4) Erfahrungen mit und Bewertung der Polizei. Ergebnisberichte zu den Phänomenen Wohnungseinbruch, tätliche Angriffe, Raub sowie Kriminalitätsfurcht wurden auf der Homepage der KKF publiziert.

Status: abgeschlossen (2007 bis 2018)

beteiligte Institution: Teildezernat 32.4 „Kriminalistisch-Kriminologische Forschungsstelle“ (KKF) des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen 

beteiligte Forscher/innen: Dr. Maike Meyer, Julia Erdmann, Prof. Dr. Thomas Naplava, Prof. Dr. Stefan Kersting, Prof. Dr. Daniela Pollich

Homepage: LKA NRW

Keywords: Viktimisierungssurvey – Opfererfahrungen – Anzeigeverhalten – Kriminalitätsfurcht

Neonatizid

Anlässlich einer ungeklärten Neugeborenentötung im Mai 2005 beschäftigte sich die KKF in Kooperation mit dem Sachgebiet „Operative Fallanalyse“ des LKA NRW mit Tat- und Tätermerkmalen des Neonatizid. Anfang 2007 wurden etwa 50 nordrhein-westfälische und niedersächsische Ermittlungsakten von geklärten und ungeklärten Taten mit Hilfe eines umfangreichen Erhebungsbogens analysiert. Um weitergehende und statistisch belastbare Aussagen treffen zu können, wurde Mitte 2007 ein bundesweites Anschlussprojekt begonnen, in dem 194 Fälle analysiert wurden. Im Mittelpunkt der Datenauswertungen standen unter anderem folgende Fragen: (1) Wie lassen sich die Kindsmütter im Hinblick auf soziodemografische Faktoren beschreiben, die auch zur Auswahl und Priorisierung von Personen im Rahmen von DNA-Reihenuntersuchungen herangezogen werden können? (2) Welches charakteristische Verhalten zeigen die Kindsmütter im Vorfeld der Tat, bei der Tatausführung selbst und im Nachtatverhalten? (3) Lassen sich aussagekräftige Zusammenhänge zwischen Aspekten der Tatbegehung und Eigenschaften der Kindsmütter identifizieren? (4) Welche Ermittlungsmaßnahmen wurden mit welchem Erfolg durchgeführt? Der Ergebnisbericht zu diesem Projekt wurde 2014 auf der Homepage der KKF publiziert.

Status: abgeschlossen (2007 bis 2014)

beteiligte Institution: Teildezernat 32.4 „Kriminalistisch-Kriminologische Forschungsstelle“ (KKF) des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen 

beteiligte Forscher/innen: Prof. Dr. Daniela Pollich, Julia Erdmann, Prof. Dr. Harald Kania, Prof. Dr. Michael Reutemann

Homepage: LKA NRW

Keywords: Neugeborenentötung – Neonatizid – Aktenanalyse

Raubüberfälle auf Geldinstitute

Raubüberfälle auf Geldinstitute unterscheiden sich in ihrer spezifischen Ausführung erheblich. Das zeigt sich beispielsweise in der Wortwahl der Täter, der Art und Weise der Gewaltanwendung, der Maskierung und im Zeitpunkt der Tat. Im Rahmen des Forschungsprojektes wurde untersucht, ob und wie aus den spezifischen Tatausführungen Rückschlüsse auf den Täter gezogen werden können. Ziel der Untersuchung war es, das Wissen über das Phänomen der Raubüberfälle auf Geldinstitute durch alleinhandelnde Täter zu vertiefen, um aus diesem verbesserten Verständnis heraus Ansatzpunkte für die Optimierung der Ermittlungs- und Fahndungsarbeit der Polizei ableiten zu können. In der Untersuchung wurden Raubüberfälle auf Geldinstitute betrachtet, die zwischen den Jahren 2002 und 2006 durch alleinhandelnde Täter begangen wurden. Dazu wurden 106 Ermittlungsakten mit Hilfe eines umfangreichen Erhebungsbogens ausgewertet. Der Abschlussbericht zur diesem Projekt wurde im Jahr 2012 auf der Homepage der KKF publiziert.

Status: abgeschlossen (2011 bis 2012)

beteiligte Institution: Teildezernat 32.4 „Kriminalistisch-Kriminologische Forschungsstelle“ (KKF) des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen 

beteiligter Forscher: Prof. Dr. Stefan Kersting

Homepage: LKA NRW

Keywords: Raub – Aktenanalyse

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